Einen Tag.

Ich möchte euch einen Tag aus meinem Leben erzählen.
Wie es früher war.
Was mein Leben früher war.
Heute ist es anders.
Zum Glück.

6:00Uhr - Der Wecker klingelt.
Als erste im Haus stehe ich auf.
Ich richte den Frühstückstisch.
Dann wecke ich meine Schwester. Leise, damit Vater nicht wach wird.
Ein Pausenbrot ist auch gemacht.
Während sie frühstückt gehe ich duschen.

7:00Uhr - Vaters Wecker klingelt.
Ich bringe ihm das vorbereitete Frühstück ans Bett.
Er möchte wissen wie lange ich Schule habe. Welche Fächer ich habe. Ich sage ihm alles. Ohne eine einzige Lüge.
Dann müssen wir los zur Schule.

In der Schule fleißig mitarbeiten. Ich war eine gute Schülerin.
Immer ausführliche Hausaufgaben, gute Vorbereitung.

Nach der Schule Mittagessen kochen.
Vater arbeitete zuhause. Er wartete immer auf mich.
Ich brachte ihm das Essen in sein Arbeitszimmer, dort musste ich warten bis er fertig gegessen hatte, auf der Couch.

Ich bin danach sein Vergnügen.
Aber besser ich als meine Schwester.

Spülen, Küche putzen, duschen, Hausaufgaben und Unterricht vorbereiten. Alles Automatisch.

18:00Uhr Abendessen.
Den ganzen Tag habe ich noch nichts gegessen.
Ob ich jetzt einen Bissen runterkriege?
Das selbe Spiel. Essen richten, meinem Vater bringen.
Mein Schwester schützen.

Manchmal frage ich mich, wie ich das überleben konnte.

Manchmal frage ich mich, wieso ich nie ausgerastet bin.

Aber ich bin ausgerastet. Ich verlor oft die Geduld.
Oft musste ich die Küche nochmal putzen, weil ich den leeren Teller durch das Zimmer geworfen habe.
Und die Narben erzählen den Rest meiner verlorenen Geduld.

Das war ein Tag, wie er viel zu häufig vorkam.
Seit meinem 13. Geburtstag.
Vorher war es anders.

 

Ich vermisse es eine Familie zu haben.

1 Kommentar 12.1.12 14:35, kommentieren

Werbung


Einen Schritt weiter...

Vereinbarungen in der Klinik getroffen.

Ich bleibe, solange ich eigene, vernünftige Entscheidungen treffen kann und darf.

Die Magensonde bleibt vorerst, allerdings habe ich die Möglichkeit ausreichend zu essen, bevor ich darüber zusätzlich ernährt werde.

 Ich nehme an Therapien teil - zwar eingeschränkt, aber immerhin.

Ich darf in Begleitung spazieren gehen, maximal 2 Stunden pro Tag. Wenn ich ausreichend selbst gegessen habe.

Und ich darf meine Schwester besuchen.

 

Trotzdem möchte ich weg hier.

Es ist eine Klinik.

Ich hasse es.

2 Kommentare 6.1.12 20:58, kommentieren

Uneinsichtiges Volk!!!

Ich habe mit den Ärzten geredet.
Ich habe mit Psychologen geredet.
Ja, wenn ich schreibe"geredet" dann meine ich auch mal GEREDET.

Und mir geht bald die Geduld aus.

Ich möchte diese dämliche Sondennahrung nicht.
Normales Essen gibt es hier für mich nur als zusätzliche Option.
Erst läuft was durch den Schlauch, dann darf ich Essen, wenn ich möchte.

Ich würde auch essen, wenn ich nicht so voll wäre.
Den ganzen Tag läuft irgendetwas in mich rein. Ob über die Sonde oder den Zugang in meinem Arm.

Morgen leere ich das angehängte Zeug für die Sonde einfach ins Waschbecken und esse normales Essen.

Davon kriege ich wenigstens kein Bauchweh - zumindest wenn ich nicht alles esse.

Dieses Krankenhaus ist einfach unfähig.

 

Allerdings ist meine Schwester wieder wach.
Sie liegt im selben Krankenhaus.
Aber sie kriegen es nicht hin, dass ich sie mal besuchen darf.
Sie kriegen es auch nicht hin, dass ich informiert werde.
Nein, das erfahre ich alles nur über ihre Pflegefamilie, die es an meinen Betreuer weiterleitet, der es mir dann erzählt.

Ich dreh hier noch durch.

Ende der Woche bin ich hier draußen.

Egal wie.

3 Kommentare 4.1.12 17:32, kommentieren

Ich könnt so heulen...

Jetzt bin ich doch wieder im Krankenhaus

Ich habe zwar in den letzten Tagen zugenommen, und das auch nicht wenig, aber es ist nicht genug.

Klar, so schnell geht das nicht.

Aber heute waren wir spazieren, gemeinsamer WG-Ausflug, und da bin ich einfach zusammengebrochen

Und dann wurde eben der Rettungsdienst gerufen...

Jetzt lieg' ich hier, unter strenger Beobachtung - sie glauben mir nicht dass ich freiwillig esse und es auch bei mir behalte.

Infusion, Monitor, Magensonde.

Toll, noch was?

Mir reichts. Dieses sch**ß KH kann mich mal!!!!

Warum freiwillig essen, wenn sie mir jede Chance zu beweisen, dass ich das freiwillig mache nehmen?

3 Kommentare 2.1.12 18:33, kommentieren

Was gibt es denn noch zu sagen?

Ich weiß nicht was es ändern würde, wenn ich es sage.

Also warum sollte ich es sagen?

Ist es überhaupt wichtig genug um ausgesprochen zu werden?

Das geht mir ständig durch den Kopf. Also spreche ich nicht.

Warum sollte ich auch?

Reden macht die Dinge nicht ungeschehen oder besser.

 

Wie es zu dem kam, was in den letzten Tagen vorgefallen ist, möchte ich nicht erklären.

Meine Schwester kam in die Psychiatrie. Dort hat sie versucht sich das Leben zu nehmen.

Sie kam in die Psychiatrie nachdem sie aus ihrer Pflegefamilie abgehauen ist - zu unserem Vater.

Und dort gab es einige Vorfälle.

Aber dazu nur so viel: Auch mein Vater kam ins Krankenhaus. Wo er mittlerweile auf der Intensivstation liegt und man noch nicht weiß ob er es überlebt.

Ist es böse von mir, sich darüber zu freuen?

 

Ich vermisse in den Tagen meine Mutter so sehr wie nie zuvor.

Ich vin neulich ihre Rezepte durchgegangen, habe dann auch Apfelkuchen gebacken...

Ich wünschte sie wäre hier...

4 Kommentare 2.1.12 11:18, kommentieren

Eigentlich.

So böse der letzte Beitrag klang.

Eigentlich liebe ich meine Schwester.

Jetzt habe ich nurnoch sie.

Sie ist mir mehr wert als alles andere.

Nur für sie habe ich die letzten Jahre überlebt, und so viel verschwiegen.

Und jetzt?

Jetzt musste sie die Angst doch am eigenen Leib erfahren.

Musste sich selbst zur Wehr setzen.

Musste einiges ertragen.

Ich kann sie jetzt gut verstehen, dass sie vor der Welt flieht und nicht mehr zu sich kommen mag.

 

Eigentlich wollte ich jetzt schreiben was los ist.

Eigentlich.

Es geht nicht.

Für heute schweige ich.

2 Kommentare 31.12.11 03:33, kommentieren

Meine kleine Schwester...

... ist manchmal einfach nur ignorant.

Allerdings muss ich bei dieser Äußerung bedenken, dass sie unseren Vater in keiner Weise als Schuldigen ansieht.

 Sie war die ganzen Jahre erstmal zu klein und zu Jungenhaft um das Interesse von ihm zu wecken.

Bei mir hat er ja auch erst angefangen, als ich weibliche Formen entwickelt habe.

 Vielleicht sollte ich endlich einmal die Erklärung geben, wie es dazu kam, dass unser Vater die letzten zwei Jahre im Gefängnis verbracht hat.

 Ich hätte niemals die Polizei gerufen weil er mich wieder angefasst oder gedehmütigt oder vergewaltigt hätte.

Und von meiner Schwester konnte ich ihn auch so fernhalten. Ohne dass es für sie offensichtlich war. Sie bekam davon nichts mit.

Nein, der einzige Grund für den ich angerufen hätte - und habe - war meine Tochter.

Ja, ich hatte eine Tochter. Sie würde im Januar 3Jahre alt werden...

Und bevor jemand falsch - oder eher richtige Schlüsse zieht - Ja, sie war auch die Tochter meines Vaters. Eingetragen  war jedoch "Vater unbekannt"....

 Schließlich hat er sie, als er (mal wieder) besoffen war geschlagen.

Sie war das einzige wirklich wertvolle in meinem Leben.

Also rief ich die Polizei, und erzählte alles.

Wie hier schon steht bekam er 2 Jahre und 6 Monate. Aber nichtmal für alles, das er getan hat.

Nein, nur für Kindesmisshandlung. Mehr nicht.

 

Ich freue mich über jeden Leser, und auch über Kommentare. Nur müsst ihr euch nunmal darauf gefasst machen, dass ich auch ein wenig über meine Leser wissen möchte

Aber keine Angst. Ich bin harmlos :-P

 

2 Kommentare 29.12.11 11:18, kommentieren