Krisenintervention

In der WG geht es drunter und drüber.

2 sind im Krankenhaus.

2 in der Psychiatrie.

Damit wurde unsere WG schon halbiert.

Stattdessen ist jetzt permanent ein Betreuer da.

 Dank meiner Offenheit in der Therapie heute darf ich wenigstens wieder Handy und Laptop haben.

Dafür darf ich mit meiner Schwester nicht mehr alleine unterwegs sein - umgekehrt trifft es eher zu, sie darf nicht mehr alleine mit mir weg.

 Die liebe Kleine meinte heute nach mehreren Streitigkeiten mit verschiedenen Leuten abhauen zu müssen.

Zu meinem Vater.

Kurz entschlossen bin ich dann auch los, um sie zurück zu holen.

 

Jedenfalls ist meine Schwester jetzt wieder zurück.

Ich habe weiterhin Ausgangssperre, allerdings keine Kontaktsperre mehr.

Und wenn ich mich morgen gut benehme und gut mitmache, darf ich mich auch wieder frei bewegen.

 

28.12.11 20:29, kommentieren

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... oder doch lieber schweigen?

Ich kann mir auf die Schulter klopfen. Das habe ich mal wieder echt gut hinbekommen.

*Hört ihr den leichten Anflug von Ironie dahinter?*

 

Ich habe an Weihnachten ein paar Worte gesprochen.

Einfaches, wie "Danke." oder "Für Dich." ...

 

Und jetzt darf ich mir von meinen Mitbewohnern wieder das Lästern über mein Schweigen anhören...

Da hier hauptsächlich Schüler wohnen sind jetzt auch viele tagsüber da.

Als Ausgleich machen die Betreuer und "Pädagogen" und Therapeuten, die unsere Gruppe betreuen mehr mit uns.

Morgen habe ich ein Einzelgespräch mit meinem Bezugspfleger und meiner Therapeutin.

"Gespräch" - guter Witz.

Es sollen Ziele für das nächste Jahr gesetzt werden.

Ihre Ziele können sie gerne behalten.

In der Gruppenstunde später dürfen wir Ziele für die gesamte WG zusammenstellen.

Wie wäre es mal mit Einhalten der Regeln?

 

Entschuldigt. Ich bin gerade "etwas" schlecht gelaunt.

27.12.11 16:41, kommentieren

Anfangen zu reden...

Bin ich sicher, dass ich reden möchte?

 

Ich habe meinen Vater getroffen.

Meine Schwester hat meinen Vater getroffen.

Wir sind zusammen Essen gegangen und er hat uns Weihnachtsgeschenke versprochen.

Er war heute mit uns Weihnachtsgeschenke kaufen.

Wir haben bekommen was wir wollten.

Und noch mehr.

Er hat uns alles gekauft, was wir uns ein wenig länger angeschaut haben.

Ich habe mir nichts angeschaut. Also hat er fast alles doppelt gekauft was er meiner Schwester gekauft hat und mir am Ende noch Geld in die Hand gedrückt.

Jetzt liegt der Stapel neben mir und ich bin am überlegen ob ein Mensch sich so ändern kann.

Ich kannte ihn doch bevor er ins Gefängnis kam.

Im Gefängnis hat er mir versprochen, dass wir wieder eine Familie werden könnten.

Eine Familie... Das hat er schon immer gesagt.

Er macht das mit mir, weil wir eine Familie sind, und er mich genauso gern hat wie Mama.

ICH BIN ABER NICHT MAMA!!!!!!!

 

Über Weihnachten waren einige aus der WG bei ihrer Familie. So kamen die Betreuer öfters bei uns vorbei um nach dem Rechten zu schauen, mit uns etwas zu unternehmen oder einfach nur zu Reden.

Alkohol ist in der WG streng verboten.

Desshalb war an den Feiertagen mehrmals die Hölle los.

Mal hat K. Vodka ausgepackt, M. lag nurnoch betrunken im Bett, und L. ist total ausgerastet.

Schon Heilig Abend war daher die Hölle. Eine Flasche Sekt durften wir an Heilig Abend öffnen.

Unsere 3 Betreuer über die Feiertage wurden so oft angerufen, dass sie manchmal sich hier einen Tee gekocht haben und erstmal für die nächsten Stunden geblieben sind.

 Ich bin manchmal dann lieber zu meiner Schwester als in der WG zu bleiben.

Aber die will mich jetzt auch nicht mehr sehen, ich sei ja unfair zu unserem Vater gewesen...

 

Nein, ich möchte nicht reden.

Ich möchte schreiben.

Nur das geschriebene liest niemand... Wozu also?

2 Kommentare 27.12.11 14:39, kommentieren

... für mich getan.

Ich muss erstmal besser mit mir umgehen.

 Aktuell sitze ich wieder zu tief im Untergewicht.

Ich bin 1,70m groß und wiege momentan nur 42kg.

Langsam geht das in eine Gefahr über.

Dessen bin ich mir bewusst.

Aber was ist, wenn ich wirklich nicht mehr leben möchte? Dann wäre das optimal, denn auf Dauer könnte mich niemand Zwangsernähren.

 Nur für meine Schwester muss ich am Leben bleiben.

 

Wenn ich nachdenke kriege ich richtig Angst...

Zwar wohne ich in einer sicheren Umgebung. Sollte irgendetwas sein bräuchte ich nur einen Betreuer anzurufen und hätte sofort Hilfe.

Aber was können die schon helfen?

Mein Vater sollte 2Jahre und 6Monate im Gefängnis bleiben.

Heute der Brief von ihm.

Er wird wegen "guter Führung" früher entlassen.

Er wird wieder auf die Menschheit losgelassen.

Er wird wieder auf meine Schwester losgelassen.

Vermutlich Weihnachten.

Ich möchte ihn umbringen

Ich möchte sterben

Es kann nicht einfach alles wieder von vorne losgehen... ich halte das unmöglich noch einmal durch....

 

So, genug gejammert.

Alles wieder versperren, schweigen, tränen wegwischen.

Und auf zum "gemütlichen Vorweihnachtsabend" mit der ganzen gestörten WG und allen Betreuern...

Wenigstens feiert morgen mein Bezugsbetreuer mit uns Weihnachhten... vielleicht schenk ich den WG ja ein Lächeln zu Weihnachten.

Frohes Fest!

23.12.11 18:16, kommentieren

Lange nichts...

... geschrieben.

... geredet.

Ja, ich habe wieder angefangen zu schweigen.

Leider, muss ich sagen.

Es läuft nichts wie es soll, aber es läuft.

Meine Schwester darf nicht mehr bei mir wohnen.

Ich gelte als psychisch zu instabil.

Ich mache noch weiter Therapie.

Ich bin wieder in einer Wohngruppe mit therapeutischer Betreuung.

Manchmal besucht mich meine Schwester. Sie möchte in meine Wohngruppe kommen.

Nur will man uns scheinbar getrennt halten.

Ich komme mir vor wie in einem Gefängnis.

Doch meine Schwester und meine Therapeutin sind die einzigen mit denen ich rede.

Also schweige ich die meiste Zeit.

Ein Betreuer ist echt nett, er bekommt manchmal minimale Antworten - Nicken oder Kopfschütteln.

Das ist bei mir schon viel.

Ich werde wieder versuchen mehr zu schreiben.

Mein Leben genauer aufzuschreiben.

Und mich nicht umzubringen desshalb.

Alles Gute. Frohe Weihnachten.

ST

1 Kommentar 22.12.11 21:05, kommentieren

... und die Vergangenheit ruhen zu lassen?

Wie konnte ich so dämlich sein und denken dass ich jetzt alles einfach auf sich beruhen lassen kann?

Ich war ihn besuchen. Ich gehe ihn jeden Monat besuchen.

Wieso bin ich so bescheuert ihn zu besuchen?

Ihn, der mein Leben zerstört hat.

Ich würde am liebsten schreien. 

Aber meine Schwester erträgt keine lauten Geräusche.

Sie wird fast genauso still wie ich damals.

Wie ich heute eigentlich noch bin.

...und es hat eigentlich alles nicht wirklich etwas geändert.

Die Alpträume sind fast genauso schlimm wie die Realität damals. Jede Nacht alles nochmal erleben?

Lieber würde ich sterben!

Nachts höre ich auch meine Schwester manchmal schreien. Dann geh ich zu ihr, nehm sie in den Arm und bin die große Schwester, die ich so lange nicht sein konnte.

Wieso kann ich nicht einfach die sein, die ich meiner Schwester vorgebe zu sein?

Ich möchte so sein, wie alle die anderen auch...

Wieso kann ich nicht sein, wie man mich brauch?

 

Es tut mir Leid...

ST

20.8.10 20:09, kommentieren

... um neu anzufangen...

Und genau das habe ich die letzten Monate getan.

Auch wenn wieder alles anders kam als ich es wollte...

 

Meine Schwester hatte Geburtstag und wir haben eine Party gefeiert.

Natürlich nicht hier, sonder bei ihr und meinem Vater zuhause. Da es ziemlich spät wurde und wir auch Alkohol getrunken haben, habe ich dort übernachtet. Wieso war ich so dämlich zu glauben ich könnte jetzt verhindern was ich jahrelang davor nicht vermochte zu beenden?

Natürlich kam er wieder zu mir. Es tat ihm kein bisschen Leid.

Wenigstens hat er meine Schwester diesmal nicht angerührt. Und ich habe nicht geschwiegen.

Ich bin direkt danach zur Polizei gefahren, habe ihn angezeigt. Es gab Untersuchungen, psychologische Gutachten, Gerichtstermine. 

Mein Vater sitzt jetzt im Gefängnis. Endlich. 

Nach dem ganzen Terror, als meine Schwester erstmal in ein Heim musste, habe ich mich in eine Psychiatrie einweisen lassen. Diesmal habe ich meine Zeit dort nicht schweigend verbracht.

Jetzt habe ich eine eigene Wohnung, mache mein Abitur nach, gehe weiterhin zur Therapie und meine Schwester wohnt bei mir.

Klingt viel zu schön um wahr zu sein, oder?

Das Schweigen brechen und alles beenden um neu anzufangen...

Klingt gut. Abwarten wie es weitergeht. Noch ist nicht alles vorbei. Noch sind die Erinnerungen und die Wunden da...

Machts gut!

ST

27.9.09 16:32, kommentieren